WM-2000

 

 

“Deutschland - Deutschland – Deutschland”-   tönte  es lautstark durch die ausverkaufte Olympiahalle, als am Samstag Alexandra Witteborn für Deutschland im Weltmeisterschaftsfinale der Damen (-60 kg) stand.

“3-2-1” zählten die Fans, dann ging eine Welle der Freude mit lautstarken Jubelrufen durch die Zuschauerränge. Alexandra hatte mit 4:2 den Weltmeistertitel gewonnen. Ihre Ehrenlaolawelle machte 7 mal die Runde.

 

Dies war nur einer der vielen Höhepunkte der Weltmeisterschaft 2000, die vom 12. -15. Oktober 2000 in München in der Olympiahalle stattfand. Die WM wurde schon im Vorfeld als “die größte Kampfsportveranstaltung die es je auf unserem Kontinent gegeben hat” angepriesen.

84 Nationen, mit insgesamt 853 Startern (1 Starter/in pro Disziplin), darunter 438 Frauen waren am Start. Gekämpft wurde in 17 Disziplinen, davon waren 7 Frauendisziplinen.

Zum erstenmal waren auch Fernsehübertragungen mit Teleeinstellungen und Zeitlupenwiederholungen zu sehen, was vor allem den ungeübten Zuschauern der Fernsehübertragungen ( u.a. Sat. 1, Pro 7 und ausführlich BR 3) zugute kam.

Die Resonanz in der Presse war ebenfalls sehr gut, von der SZ über die AZ bis hin zu Vertretern der internationalen Fachpresse  war alles vertreten.

 

 

Donnerstag:

Den Auftakt, vor den Kataqualifikationen , bestritt die Kumite-Mannschaft von Bundestrainer Toni Dietl. Die erfahrenen Kämpferinnen Nadine Ziemer, Alexandra Witteborn, und die Newcomerin Shima Micaeli erwischten mit 2:0 einen guten Start gegen Luxemburg und steigerten ihre Leistungen noch auf ein souveränes 3:0 gegen die Kämpferinnen aus Botswana. Im dritten Kampf, kurz vor dem Poolsieg, unterlagen sie aber denkbar knapp den Kämpferinnen aus Jugoslawien. Durch diese Niederlage war die Trostrunde greifbar nahe, die Jugoslawinnen unterlagen aber den Französinnen mit 2:0. Diese bestritten mit den Spanierinnen das Finale. Dort siegten die Französinnen ebenso souverän und wurden mit Spitzentechniken Weltmeister.

Die Anspannung auf dem Gesicht der deutschen Kata-Frauen ist deutlich zu erkennen. Schahrzad Mansouri, Monja Kimmich und Claudia Völk stehen im Finale der Weltmeisterschaften in der Münchner Olympiahalle. Genau wie ihre Kollegen aus der Männermannschaft (Michael Mack, Claus Arnold, Benjamin Wolf) haben sie sich am Tag für diese Runde qualifiziert.

Die Männer baten im Finale eine Kata auf hohem Niveau und erhielten dafür hohe 8,2 und 8,3 Wertungen die teilweise über dem Durchschnitt lagen. In der Disziplin gab es aber auch einige Entscheidungen die vom Publikum angezweifelt wurden. Am Ende siegten die Japaner mit einer Traumwertung vor den Franzosen und den Kataathleten von der iberischen Halbinsel. Die deutsche Auswahl mußte sich mit Platz 5 zufrieden geben.

Auch die Deutschen Athletinnen hielten die Konzentration. Ihre Kata war nahezu perfekt, doch die Wertung für die Französinnen war besser. Vor den drei Deutschen landeten auch noch die Starterinnen aus dem Mutterland des Karate sowie die Italienerinnen. Die Enttäuschung über den undankbaren vierten Platz war den Damen deutlich anzusehen..

 

Freitag:

Schon den ganzen Tag über schlug sich die Kumite Mannschaft Herren tapfer und unaufhaltsam von Kampf zu Kampf nach vorn und besiegte im Laufe des Tages Mannschaften wie  z. B. Griechenland mit 3:2. Den bis dato amtierenden Vizeweltmeister England putzte man regelrecht mit 3:0 vom Platz. Jetzt war alles möglich. Nach dem 3:1 Kampf gegen Bosnien sollte es gegen den Senegal noch mal eng werden. Die Zuschauer pfiffen die Kampfrichter in Chören aus. Die Gäste hielten sich teilweise nach Körpertreffern den Kopf, doch das half alles nichts. Superschnelle Techniken der Matadoren und so das 2:0 für die Deutschen. Brasilien bekämpften sie auf fast weltmeisterliche Art im Poolfinale mit 4:1.

Das gab´s seit 1977 nicht mehr: Ein deutsches Kumite Team im Finale!

Insider waren sich einig: Ein Sieg für Deutschland ist durchaus drin.

Trotz der überwältigenden Stimmung und der lautstarken Unterstützung der Zuschauer mußte Deutschland im Finale schnell Federn lassen. Die Franzosen wurden ihrer Favoritenrolle durchwegs gerecht und entschieden das Finale in den ersten drei Kämpfen jeweils schon vor Ablauf der regulären Kampfzeit.

Dritte wurden die Kämpfer aus Spanien und England.

Doch Deutschland jubelte über den Vizetitel. Und Günther Moor bedankte sich bei den Zuschauern.

“Ihr wart super” “Ohne unsere Zuschauer wären wir nicht so weit gekommen.”

 

Im Kata-Wettstreit sicherten sich ebenfalls beide deutschen Starter einen Platz im Finale. Beide zeigten im Finale die schwierigste Shotokan-Kata “Unsu”. Die Ränge erzitterten jedesmal unter den Trampeln der ca. 12.000 Füße des Publikums. Glückt der Sprung? Und?.... Pfiffe des Publikums.

Die Wertungen zu schwach! Die Entscheidungen sind nicht zu verstehen. Siggi Hartl wurde auf Platz 7. geschiedst, Scharhzad Mansouri katapultierten die Referees auf Platz 5. Bei den Männern siegte der Franzose Milon vor dem Japaner Abe und dem Italiener Valdesi. Bei den Frauen feierte die Japanerin Atuko Wakai das Weltmeiser-Gold, vor der Französin Miriam Szkudlarek und der Italienerin Roberta Sodera.

 

Samstag:

Mit einem Doppelschlag hat sich der Deutsche Karate Verband (DKV) vor eigenem Publikum in die Herzen der Münchner Zuschauer hinein gekämpft.  Unter dem Jubel aus 11 000 Kehlen holten sich Alexandra Witteborn und Lazar Boskowitc in spannenden Finalkämpfen die Weltmeistertitel.

Boskovic mußte für diesen Sieg in die Verlängerung des Kampfes. Gegen den Spanier  Angel Ramior Molina stands´s nach drei Minuten 2:2, die er sich in einem harten Schlagabtausch  mit seinem Kontrahenten erkämpft hatte. Die ganze Halle schien in der folgenden Verlängerung den Atem anzuhalten, bis Boskovic mit einem tiefen Tsuki den entscheidenen Punkt holte. Es folgte unglaublicher Jubel in der Halle, als der Athlet sich mit seinem Trainer in den Armen lag.

Eine Topform bot auch Alexandra Witteborn. Im Finale fegte sie ihre Kontrahentin Chiara Stella Bux unter tosendem Applaus souverän mit 4:2 von der Matte.

Die beiden Deutschen zogen klar in das Finale ein. Witteborn benötigte allerdings im Halbfinale gegen die Japanerin Mayumi Baba ebenfalls die Verlängerung. Aber auch das war knapp, wenige Sekunden vor Ablauf der regulären Kampfzeit lag sie noch mit 5:3 zurück und schaffte durch eine Ippontechnik den Ausgleich. Auch die zweiten zwei Minuten standen unter Spannung: Erst in der letzten Sekunde des Kampfes erzielt sie mit einer traumhaften Technik einen Ippon, der ihr die Finalteilnahme sicherte. Boskovic meisterte seine Vorrunde ebenfalls anstandslos. Dabei besiege er mit teilweise spektakulären Techniken unter anderem auch Titelverteidiger Alexandre Biamonti aus Frankreich. Den schlug er mit einem 5:3 Sieg unter dem Jubel des Publikums.

Am Ende des Finales, das die Organisatoren mit einem Indoor-Feuerwerk ausklingen ließen, waren nicht nur die Verantwortlichen des DKV, die deutschen Sportler und Trainer überglücklich, sondern auch das Publikum, was sich oftmals ganz einfach an den Gesichtern ablesen lies.

 

Sonntag:

Unter dem Jubel des Münchener Publikums, das in der Olympiahalle vier Tage lang für eine unglaubliche Stimmung gesorgt hatte, schloß der DKV die erfolgreichste Weltmeisterschaft aller Zeiten ab. Abgerundet wurden am letzten Tag die Erfolge der Deutschen Athleten noch von Fadi Chaboo, der nur im Finale bis 75 Kilogramm gegen den Spanier Ivan Legal Reglero unterlag und Vizeweltmeister wurde.

Marc Haubold, konnte zwar seinen Weltmeistertitel von 1998 nicht verteidigen, warf aber am Ende trotzdem überglücklich seine Faustschützer ins Publikum, nachdem er in der Gewichtsklasse

über 80 Kilogramm den dritten Platz erreichte.

Thomas Nitschmann, der schon in den Kämpfen der Kumite Herren Mannschaft überzeugte, unterlag, wie schon Marc Haubold nur im Poolfinale seinem Kontrahenten, und sicherte sich in seiner Klasse

Bis 80 Kilogramm ebenfalls den dritten Platz.

 

 

Die Weltmeisterschaft, ein Event wie es in dieser Art wohl noch nie im Kampfsport in Europa stattgefunden hatte.

Natürlich waren auch Schwabacher Kampfsportler unter dem tosenden Publikum und genossen die einmalige Atmosphäre, feuerten ihre Favoriten an, pfiffen die Schiedsrichter bei einer vermeintlichen Fehlentscheidung aus, trauerten bei einer Niederlage mit und schrien sich die Seele nicht nur bei den Finalkämpfen aus dem Leib.

 

Ich selbst war drei Tage lang in München und kann nur mit Begeisterung von dieser Weltmeisterschaft sprechen. Viele Eindrücke und vor allem die einzigartige, unglaubliche Atmosphäre während den Kämpfen wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ein Motivations-Schub war es auf jeden Fall.

Ich hoffe, ihr könnt euch jetzt ein kleines Bild von der 15. Weltmeisterschaft machen und wünsche allen noch viel Spaß beim trainieren.

 

                                                                                                                      Sabine Wehrer


 




Kata Einzel weiblich

Kata Einzel männlich:

Herren Kumite Mannschaft

1. Platz

Japan

1. Platz

Frankreich

1. Platz

Frankreich

2. Platz

Frankreich

2. Platz

Japan

2. Platz

Deutschland

3.Platz

Italien

3.Platz

Italien

3. Platz

England, Spanien

5. Platz

Deutschland

7.Platz

Deutschland

 

 

 

 

Kata Mannschaft weiblich

Kata Mannschaft männlich

Damen Kumite Mannschaft

1. Platz

Frankreich

1. Platz

Japan

1. Platz

Frankreich

2. Platz

Japan

2. Platz

Frankreich

2. Platz

Spanien

3.Platz

Italien

3.Platz

Spanien

3. Platz

Japan, Türkei

 

 

 

 

 

Kumite Damen –53 kg

Kumite Damen – 60 kg

Kumite Damen +60 kg

1. Platz

Japan

1. Platz

Deutschland

1. Platz

Japan

2. Platz

Frankreich

2. Platz

Italien

2. Platz

Spanien

3.Platz

Jugoslawien, Peru

3.Platz

Jugoslawien, Japan

3.Platz

Frankreich, Österreich

 

 

Damen Kumite Allkategorie

Herren Kumite Allkategorie

 

1. Platz

Türkei

1. Platz

Frankreich

 

 

2. Platz

Frankreich

2. Platz

Italien

 

 

3.Platz

Italien, Japan

3.Platz

Griechenland, Iran

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herren Kumite -60 kg

Herren Kumite –65 kg 

Herren Kumite - 70 kg

1. Platz

Frankreich

1. Platz

Deutschland

1. Platz

Kroatien

2. Platz

Italien

2. Platz

Spanien

2. Platz

Senegal

3.Platz

Japan, Benin

3.Platz

Frankreich, USA

3.Platz

Frankreich, Iran

 

 

Herren Kumite – 75 kg

Herren Kumite – 80 kg

Herren Kumite + 80 kg

1. Platz

Spanien

1. Platz

Niederlande

1. Platz

Senegal

2. Platz

Deutschland

2. Platz

Frankreich

2. Platz

Frankreich

3.Platz

Frankreich, Italien

3.Platz

Deutschland, Spanien

3.Platz

Deutschland. Iran

 

Die Deutschen Ergebnisse:

Medallienspiegel:

1. Alexandra Witteborn (Kumite –60 kg)

Gold

Silber

Bronze

 

1. Lazar Boskovic (Kumite – 65 kg)

6

6

4

Frankreich

2.Fadi Chaboo (- 75 kg)

4

2

 

Japan

2. Kumite Mannschaft Herren (M. Haubold,

    Th.. Nitschmann, F.Chaboo, S. Azadi, S. 

    Yildrim, A. Horn, E. Racanel)

2

2

2

Deutschland

3. Marc Haubold (Kumite + 80 kg)

1

3

3

Spanien

3. Thomas Nitschmann (Kumite – 80 kg)

1

1

0

Senegal

4. Kata Team Damen

1

0

1

Türkei

5. Kata Team Herren

1

0

0

Kroatien

5. Schahrzad Mansouri (Kata Einzel)

1

0

0

Niederlande

7. Siegfried Hartl (Kata Einzel)

0

3

5

Italien

 

0

0

3

Iran

 

Sabiene Wehrer

 

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